Umberto Eco ist tot. Eco, der
Semiotiker, der nicht nur die Schriftzeichen entziffern konnte, wusste ganz
genau, welche Botschaft er formulierte, wenn er sich, bärtig, sinnlich und sehr
gut aussehend und angezogen, in seiner Bibliothek fotografieren ließ – es war
das Bild eines Italieners, dessen Gegenwart sich eben nicht von den
historischen Wurzeln abschneiden ließ, das Bild eines Professors, dessen
Gelehrsamkeit vom Neuplatonismus bis zum guten Essen reichte, das Bild eines
Mannes, dessen unbedingter Glaube an die Vernunft eine Zuversicht ausstrahlte,
die ansteckend wirkte. (FAZ)
Eco
war ein beeindruckender Mensch, ein überzeugender Wissenschaftler und ein
außergewöhnlicher Autor – heißt es. Richtig ist für mich: Ein hervorragender
Meister des geschriebenen Wortes ist gestorben. Eigentlich unglaublich, dass er
nie den Nobelpreis für Literatur erhalten hat, aber vermutlich hatte er den
auch gar nicht so nötig - wie so mancher frech lügende deutsche Waffen-SS-Soldat.
Seine
Büchern sind ein Genuss, seien es die Essays, Romane oder auch seine
wissenschaftliche Literatur. Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren verstand er
es, seine Leser begeisternd mitzunehmen und erreichte eine heute seltene
Tiefgründigkeit, gepaart mit einem schier unglaublichen Faktenwissen. Durch
seine Bücher wird er weiterleben, und zwar dauerhafter, als mancher
Literaturnobelpreisträger.
Was
Eco machte, sagte und schrieb, war hervorragend fundiert. Ein Kunstwerk zu
Beispiel soll in seinen Augen viele Ebenen enthalten, so dass je nach
Bildungsgrad jeder Betrachter darin Schönheit sieht. Diese Haltung ist ein
Schlag ins Gesicht für all die modernen Künstler, die völlig abgehoben irgendetwas
schmieren - und dann über die urteilen, die damit schlicht nichts anfangen
können.
Insgesamt
könnte man dazu sagen, dass Eco in vieler Hinsicht des genaue Gegenteil von
deutscher Feuilletonisten war: Ein überragender Intellektueller, der nicht
unter peinlichem Brimborium, mit manierierten Sprachungetümen und
Pseudo-Tiefgründigkeit vorgegeben musste, einer zu sein.
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