Samstag, 20. Februar 2016

20.02.2016 - Eco



Umberto Eco ist tot. Eco, der Semiotiker, der nicht nur die Schriftzeichen entziffern konnte, wusste ganz genau, welche Botschaft er formulierte, wenn er sich, bärtig, sinnlich und sehr gut aussehend und angezogen, in seiner Bibliothek fotografieren ließ – es war das Bild eines Italieners, dessen Gegenwart sich eben nicht von den historischen Wurzeln abschneiden ließ, das Bild eines Professors, dessen Gelehrsamkeit vom Neuplatonismus bis zum guten Essen reichte, das Bild eines Mannes, dessen unbedingter Glaube an die Vernunft eine Zuversicht ausstrahlte, die ansteckend wirkte. (FAZ)

Eco war ein beeindruckender Mensch, ein überzeugender Wissenschaftler und ein außergewöhnlicher Autor – heißt es. Richtig ist für mich: Ein hervorragender Meister des geschriebenen Wortes ist gestorben. Eigentlich unglaublich, dass er nie den Nobelpreis für Literatur erhalten hat, aber vermutlich hatte er den auch gar nicht so nötig - wie so mancher frech lügende deutsche Waffen-SS-Soldat.

Seine Büchern sind ein Genuss, seien es die Essays, Romane oder auch seine wissenschaftliche Literatur. Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren verstand er es, seine Leser begeisternd mitzunehmen und erreichte eine heute seltene Tiefgründigkeit, gepaart mit einem schier unglaublichen Faktenwissen. Durch seine Bücher wird er weiterleben, und zwar dauerhafter, als mancher Literaturnobelpreisträger.

Was Eco machte, sagte und schrieb, war hervorragend fundiert. Ein Kunstwerk zu Beispiel soll in seinen Augen viele Ebenen enthalten, so dass je nach Bildungsgrad jeder Betrachter darin Schönheit sieht. Diese Haltung ist ein Schlag ins Gesicht für all die modernen Künstler, die völlig abgehoben irgendetwas schmieren - und dann über die urteilen, die damit schlicht nichts anfangen können.

Insgesamt könnte man dazu sagen, dass Eco in vieler Hinsicht des genaue Gegenteil von deutscher Feuilletonisten war: Ein überragender Intellektueller, der nicht unter peinlichem Brimborium, mit manierierten Sprachungetümen und Pseudo-Tiefgründigkeit vorgegeben musste, einer zu sein.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen