Clive wird Anwalt, Maurice Börsenmakler. Nachdem ein anderer homosexueller Kommilitone, Lord Risley, zu einer sittenwidrigen Handlung provoziert, verraten, verhaftet und zu einem halben Jahr Zuchthaus mit Zwangsarbeit verurteilt wird, erleidet Clive einen nervlichen Zusammenbruch und sagt sich, vom Schicksal Risleys schockiert, von Maurice und der Homosexualität los. Der besitzergreifende Maurice versucht verzweifelt Clive für sich einzunehmen. Dieser heiratet, seine Gefühle verdrängend, standesgemäß Anne Woods. Der verzweifelte Maurice sucht daraufhin Hilfe beim Hausarzt seiner Familie, der kein Verständnis zeigt und ihm rät, einen Hypnotiseur zu konsultieren, um seine Unnormalität behandeln zu lassen. Doch auch der Hypnotiseur kann nichts an Maurice’ Neigung ändern. Der Versuch, durch hartes Boxtraining von der Homosexualität loszukommen, scheitert ebenfalls.
Als Maurice wieder zu Gast bei Clive und seiner Frau ist, lernt er auf der Jagd den jungen Wildhüter der Durhams, Alec Scudder, kennen. In dieser Nacht kann Maurice nicht schlafen und hält zur Erfrischung seinen Kopf aus dem Fenster in den heftigen Regen, nicht ahnend, dass ihn unten im Park Alec Scudder beobachtet. Als Maurice sich wieder ins Bett gelegt hat, steigt Alec über eine Leiter, die ihm am Tage zur Renovierung des Daches diente, in sein Zimmer ein, gibt ihm einen Kuss und verschwindet wieder. Bei einem weiteren Besuch von Maurice im Landhaus der befreundeten Familie ergibt es sich, dass in der Nacht nur Maurice, Alec und ein alter Butler im Hause sind.
Wegen seiner inneren Zerrissenheit von Alpträumen geplagt öffnet Maurice das Fenster nachts wieder, um Luft zu schnappen, während Alec unten wartend dies als ein Zeichen an ihn auffasst. Er steigt wieder durchs Fenster und die beiden schlafen zum ersten Mal miteinander. Einige Wochen später sucht Alec Maurice an seinem Arbeitsplatz in der Stadt auf, aber Maurice ist anfangs sehr zurückhaltend, da er befürchtet, dass Alec, der Sohn eines Schlachters, ihn erpressen will. Beinahe geht er auch diesen Weg aus verletzter Liebe, denn Maurice blieb aus Angst einem Treffen ohne Antwort fern. Der forsche Alec fühlt sich als ein Mann aus dem Volk von dem feinen Gentlemen herabgesetzt. Schließlich begeben sie sich in ein Hotel und schlafen erneut miteinander. Beide haben sich ernsthaft verliebt. Doch Alec hat vor, mit seinen Eltern und seinem Bruder wenige Tage später nach Argentinien auszuwandern. Maurice schlägt vor, dass Alec bleiben solle, was dieser ablehnt.
An dem Tag, als das Schiff nach Südamerika ablegen soll, fährt Maurice zum Pier, um sich von Alec mit einem Geschenk zu verabschieden. Aber zur Verzweiflung seiner Familie und Maurice’ Freude erscheint Alec gar nicht. Maurice ahnt, wo er ist: im Bootshaus auf dem Durham’schen Anwesen. Dort begegnet er Clive und erzählt ihm – innerlich sehr stark geworden – von seiner Liebe zu dessen Untergebenen, worüber Clive entsetzt ist. Maurice nimmt keinen „Rat“ von ihm an und lässt ihn, den an die gesellschaftlichen Erwartungen angepassten Freund, stehen und eilt zum Bootshaus. Er und Alec fallen sich glücklich in die Arme und wollen sich nie mehr voneinander trennen. Clive, hinter seiner Fassade der Normalität, muss damit leben, dass er seine wahren Gefühle verleugnet.
Kritik: Die Verfilmung des Romans "Maurice" von E.M. Forster beschreibt ebenso sorgfältig wie kritisch eine Welt, in der moralischer Anspruch und gesellschaftliche Wirklichkeit weit auseinander klaffen.
Literatur
E.
M. Forster: Maurice. Roman (Originaltitel: Maurice). Deutsch von
Nils-Henning von Hugo. Nymphenburger Verlagshandlung, München 1988, 295 S.,
ISBN 3-485-00558-4, sowie Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2005,
295 S., ISBN 978-3-596-15899-7 oder ISBN 3-596-15899-0
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