Die Deutzer Werft in Köln am vergangenen Sonntag. Ein türkisches
Fahnenmeer, euphorische Erdogan-Anhänger, die dem türkischen Präsidenten in
Liedern huldigen und, wenn man sich am Rande der Demonstration umschaut,
Verwunderung und Fassungslosigkeit in den Gesichtern der Anwohner. Die
Kundgebung, welche von der AKP-nahen Union Europäisch-Türkischer Demokraten
(UETD) organisiert wurde, fand unter dem Motto „Ja zur Demokratie, nein zum
Staatsstreich“ statt und lockte zehntausende türkische Nationalisten aus ganz
Europa an das Rheinufer.
Es wäre allerdings passender gewesen, den Begriff Demokratie durch
„Erdokratie“ zu ersetzen, denn die aktuellen Vorgänge in der Türkei sind alles
andere als demokratisch. Stattdessen sichert Erdogan nach dem gescheiterten
Putschversuch am 15. Juli seine ohnehin gefestigte Macht, indem jeder
potenzielle politische Gegner aus dem Weg geräumt wird. Die Anzahl der
entlassenen, suspendierten und inhaftierten Menschen in der Türkei hat
mittlerweile die Marke 70.000 überschritten und verdeutlicht das Ausmaß der „Säuberungswelle“.
Noah Sari