"Die Odenwaldschule war sakrosankt, weil sie den alten pädagogischen Traum des
Lernens in Freiheit verknüpft mit dem Leben in Gemeinschaft zu verwirklichen
schien. Aber das heißt auch, dass niemand auf den Gedanken kam, es könnte Täter
und Opfer geben. Im Paradies gibt es keine Schande“, analysiert Oelkers.
Bedrückend sind die Aussagen der Opfer, die der Autor zusammengetragen hat, und
Beckers Virtuosität, bei Elternbeschwerden über körperliche Misshandlungen an ihren Kindern, die „sadistische Züge“ trügen, den Opfern
selbst die Schuld in die Schuhe zu schieben.(...)
Aberwitzig ist auch, dass
ausgerechnet Becker die hochgradig ideologieanfällige pädagogische Debatte in
der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in den neunziger Jahren
wesentlich mitbestimmt hat und dreißig Jahre lang auf jedem Kirchentag auftrat,
sogar Mitglied im Präsidium war.
Schon beim Stuttgarter Kirchentag im Juli 1969
war Becker als Podiumsteilnehmer mit Hartmut von Hentig und Günter Grass
zugegen, moderiert von Hellmut Becker ausgerechnet zum Thema „Aggression als
individuelle und gesellschaftliche Tat“
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