Montag, 18. Juli 2016

18.07.2016 - Queer As Folk (6)

Brian Faust (II)

Als neue Schwulen-Ideologie gilt für die Mittelschicht: heiraten wollen und in eine in eine Vorstadt umziehen, um ihre künstlich gezeugten Kinder bürgerlich zu erziehen. Da setzt Brian mit seiner wunderbaren Polit-Schwul-Rede an:

„Um ein Eigenheim liebendes, Kinder aufziehendes gottesfürchtendes Imitat der Heterosexuellen zu werden? Wofür denn? Damit ich eine weitere Seele werde, die in die Mall geht, meine Kinder bei der Schule abliefern wird und nette Barbecues in seinen Garten veranstaltet. Das ist deren Tod, nicht meiner.
 
Ich bin ein Schwanzlutscher! Ich bin schwul! Und jedem, der mich dafür bemitleidet oder angreift, sage ich: Richte über dich selbst.“
 
Brian kauft eine Schwulen-Disco namens Babylon, in der er schon seit seiner Jugendzeit fickt und sich blasen lässt. Über diese Disco-Schwulen, in der er seine dekadenten Partys feiert, jubelt er: „Das hier lebe ich. Das ist, was ich bin.“ Ein ehrliches Schwulen-Bekenntnis, über das die Spießer-PC-Schwule-Gesellschaft in USA nur ihr Kreuz schlagen kann.

Christliche Fundis eine Bombe in der Schwulen Disco zum Detonieren bringen ... Schwulen-Hasser aus der christlichen Fundi-Bewegung, deren wirre Ableger, Terroristen, das "Sodom und Gomorra" der Schwulen zerstören wollen.

Für seine Frechheiten über die Liberalen und angepasste Schwule wird Brian Kinney in dieser TV-Serie mit Hodenkrebs und Syphilis bestraft – und findet keinen Liebhaber in seinem Serien-Leben. Zum Schluss ist er nach über 60 Film-Stunden allein – im Gegensatz zu die anderen (Darsteller-) Personen in „Queer As Folk“ ... Alle enden als Paar – ob schwul, lesbisch oder hetero. Ganz bürgerlich.
 
Dabei sehnt sich Brian gelegentlich nach einer trivialen Beziehung … aber wenn er Schritte in diese Richtung unternimmt, kommt seine Intellektualität dazwischen - die zerstört seine Trivialität grausam – und mit Lust. Dabei ist er in seinen Analysen der menschlichen Hilflosigkeiten sehr treffend - und er ist ein hilfsbereiter Zeitgenosse und "Sünder" - nach dem Faust-Motto: Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges wohl bewusst.
 
Komischerweise aber - mit seinem vielen kritischen Nein-Sagen und seiner ätzenden Kritik schafft dieser Brian jedoch, seinen Mitmenschen eine andere und bessere (Um-)Welt zu schaffen – mit selbstbewussten Individualisten, die durch das Feuer seiner heftigen Aufklärung gehärtet wurden. Siehe sein Liebhaber Justin.
 
Neben seinem Diabolo-Charakter ist dieser Brian dazu noch ein „Dorian Gray“ (siehe Oscar Wilde), ein besonders wunderschöner Mann (nicht nur vom Körper, sondern auch vom kritischen Geist und diabolischen Charakter her), der Mann und Frau in seinen besonderen und vor allem sexuellen Bann lockt.
 
Brian ist ein Liebes-Medium, an dessen Körper und Seele andere Menschen sich verzehren, verbrennen, verschmachten … weil sie nicht in der Lage sind, ihn als „American Angel“ (wunderbare Mini-Serie), als USA-Faust, fassen können. Ein Teufel namens Mephisto kann man nicht fassen - wie einen schwulen Peter Pan auch nicht...
 
Fünf Jahre in Pittsburgh zeigt der Serie - speziell in der schwulen Community - mit allen Tiefs und Hochs - in einem schönen und schwulen "Sturm und Drang" ... im deutschen "Sturm und Drang" erschießt sich Werther. Der amerikanische Werther bleibt allein und liebend zurück. In einer schönen Liebe - sehnsuchtsvoll.

Denn ... "Er würde teilhaben, denn das Schöne gehört uns allen; an ihm gibt es kein Eigentum. Es ist unteilbar; wir finden uns in ihm. Wir finden und vergessen uns im Anderen; wir sind nicht mehr allein." (Ernst Jünger).
 
"Queer as Folk", amazon, 5 Staffel, 23 DVD, alles zusammen zwischen 35 bis 40 Euro.

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