Brian Faust (II)
Als neue Schwulen-Ideologie gilt für die Mittelschicht: heiraten wollen und in eine in eine Vorstadt umziehen, um ihre künstlich gezeugten Kinder bürgerlich zu erziehen. Da setzt Brian mit seiner wunderbaren Polit-Schwul-Rede an:
Als neue Schwulen-Ideologie gilt für die Mittelschicht: heiraten wollen und in eine in eine Vorstadt umziehen, um ihre künstlich gezeugten Kinder bürgerlich zu erziehen. Da setzt Brian mit seiner wunderbaren Polit-Schwul-Rede an:
„Um ein Eigenheim liebendes, Kinder aufziehendes gottesfürchtendes Imitat der Heterosexuellen zu werden? Wofür denn? Damit ich eine weitere Seele werde, die in die Mall geht, meine Kinder bei der Schule abliefern wird und nette Barbecues in seinen Garten veranstaltet. Das ist deren Tod, nicht meiner.
Ich bin ein Schwanzlutscher! Ich bin schwul! Und jedem, der mich dafür
bemitleidet oder angreift, sage ich: Richte über dich selbst.“
Brian kauft eine Schwulen-Disco namens Babylon, in der er schon seit seiner
Jugendzeit fickt und sich blasen lässt. Über diese Disco-Schwulen, in der er seine
dekadenten Partys feiert, jubelt er: „Das hier lebe ich. Das ist, was ich bin.“
Ein ehrliches Schwulen-Bekenntnis, über das die Spießer-PC-Schwule-Gesellschaft
in USA nur ihr Kreuz schlagen kann.
Christliche Fundis eine Bombe in der Schwulen Disco zum Detonieren bringen
... Schwulen-Hasser aus der christlichen Fundi-Bewegung, deren wirre Ableger,
Terroristen, das "Sodom und Gomorra" der Schwulen zerstören wollen.
Für seine Frechheiten über die Liberalen und angepasste Schwule wird Brian
Kinney in dieser TV-Serie mit Hodenkrebs und Syphilis bestraft – und findet
keinen Liebhaber in seinem Serien-Leben. Zum Schluss ist er nach über 60
Film-Stunden allein – im Gegensatz zu die anderen (Darsteller-) Personen in
„Queer As Folk“ ... Alle enden als Paar – ob schwul, lesbisch oder hetero. Ganz
bürgerlich.
Dabei sehnt sich Brian gelegentlich nach einer trivialen Beziehung … aber
wenn er Schritte in diese Richtung unternimmt, kommt seine Intellektualität
dazwischen - die zerstört seine Trivialität grausam – und mit Lust. Dabei ist
er in seinen Analysen der menschlichen Hilflosigkeiten sehr treffend - und er
ist ein hilfsbereiter Zeitgenosse und "Sünder" - nach dem Faust-Motto:
Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges wohl
bewusst.
Komischerweise aber - mit seinem vielen kritischen Nein-Sagen und seiner
ätzenden Kritik schafft dieser Brian jedoch, seinen Mitmenschen eine andere und
bessere (Um-)Welt zu schaffen – mit selbstbewussten Individualisten, die durch
das Feuer seiner heftigen Aufklärung gehärtet wurden. Siehe sein Liebhaber
Justin.
Neben seinem Diabolo-Charakter ist dieser Brian dazu noch ein „Dorian Gray“
(siehe Oscar Wilde), ein besonders wunderschöner Mann (nicht nur vom Körper,
sondern auch vom kritischen Geist und diabolischen Charakter her), der Mann und
Frau in seinen besonderen und vor allem sexuellen Bann lockt.
Brian ist ein Liebes-Medium, an dessen Körper und Seele andere Menschen
sich verzehren, verbrennen, verschmachten … weil sie nicht in der Lage sind,
ihn als „American Angel“ (wunderbare Mini-Serie), als USA-Faust, fassen können.
Ein Teufel namens Mephisto kann man nicht fassen - wie einen schwulen Peter Pan
auch nicht...
Fünf Jahre in Pittsburgh zeigt der Serie - speziell in der schwulen
Community - mit allen Tiefs und Hochs - in einem schönen und schwulen
"Sturm und Drang" ... im deutschen "Sturm und Drang"
erschießt sich Werther. Der amerikanische Werther bleibt allein und liebend
zurück. In einer schönen Liebe - sehnsuchtsvoll.
Denn ... "Er würde teilhaben, denn das Schöne gehört uns allen; an ihm
gibt es kein Eigentum. Es ist unteilbar; wir finden uns in ihm. Wir finden und
vergessen uns im Anderen; wir sind nicht mehr allein." (Ernst Jünger).
"Queer as Folk", amazon, 5 Staffel, 23 DVD, alles zusammen
zwischen 35 bis 40 Euro.
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