Ein fiktives
Interview mit
dem
baden-württembergischen CDU-Landesvorsitzenden
Thomas
Strobl
Politische
Wahrheiten, Lügen und Träume
Die Südwest-CDU ist künftig in
allen großen Städten Baden-Württembergs ohne Landtagsabgeordnete. Welche Fragen
hat das für Ihre Partei?
Strobl: Das ist ein bitteres Ergebnis.
In 46 von 70 Wahlkreisen haben die Grünen das Direktmandat gewonnen. Das ist
für die CDU in Baden-Württemberg bisher unvorstellbar. Wir hatten als CDU im
Lande ja nahezu bayrische Verhältnisse gehabt. Sozialdemokraten und Freidemokraten
waren lange Zeit nur politische Gegner. Aber als ich Generalsekretär und dann
CDU-Landesvorsitzender wurde, hatte sich das schnell geändert. Wir wollten eine
vernünftige Basis für alle demokratische Parteien erschaffen, in der jeder mit
jedem kann. Das ist die Atmosphäre der Berliner Republik, die Angela Merkel
mitgestaltet hat..
Wie sehr schmerzt der Verlust der
Verlust des Mandats in Ihrer Heimatstadt Heilbronn?
Strobl: Das schmerzt mich persönlich
ganz besonders. Weil mein Freund und Geschäftspartner Alexander Throm als
Abgeordneter im Landtag eine exzellente Arbeit geleistet hat - viele Jahre auch in der Heilbronner Kommunalpolitik.
Er weiß, wo die Bürgerinnen und Bürger der Schuh drückt. Wenn aber die CDU
landesweit zwölf Prozentpunkte verliert und auf 27 Prozent absackt ist, ist der
Wahlkreis Heilbronn auch bei bester persönlicher Leistung des Abgeordneten
nicht zu halten. Aber der Wahlkreis Heilbronn insgesamt hat dazu gewonnen: vier
Abgeordnete aus Grünen, SPD, FDP und AfD präsentierten das Unterland in
Stuttgart. Die Ursachen für die Niederlage der CDU in Heilbronn werden wir
sorgfältig analysieren. Mein Fazit: Das Wählerurteil hat Alexander Throm nicht
verdient.
Das sagte auch Harry Mergel, der
Heilbronner Oberbürgermeister. Ihre Worte klingen stark nach
Wählerbeschimpfung. Ihre Worte auch.
Strobl: Nein, überhaupt nicht. Die Worte
vom SPD-Mann Harry Mergel sind kein Trost, sondern nur Heuchelei. Sicherlich,
ich habe auch festgestellt, dass Alexander Throm von vielen Menschen und auch
in der CDU in Heilbronn nicht akzeptiert wird. Es gab heftige und notwendige Auseinandersetzungen in der
Heilbronner CDU-Gemeinderatsfraktion. Auch in der Landtagsfraktion hatte
Alexander Throm bei den Auseinandersetzungen um die baden-württembergischen CDU-Spitzenkandidaten
für Landtagwahl für was er steht. Aber – das ist Schnee der Vergangenheit.
Trotzdem ist es sehr schade, dass er sein Mandat im Chaos verloren hat.
Man spricht in der Heilbronner CDU
von Plänen, dass Sie als Throm-Nachfolger als Heilbronner CDU-Kandidat 2016 in
den Landtag wechseln wollten, und Alexander Throm 2017 ihr Bundestagswahlkreis Heilbronn
übernehmen sollte?
Strobl: Das waren nur Planungen. Mein
Gegenkandidat Guido Wolf hat landesweit die CDU-Spitzenkandidatur gewonnen –
und er hat die Landtagwahl verloren. Von 39 Prozent auf 27 Prozent – das ist
schon eine starke Leistung.
Woran haben die Verluste von
zwölf Prozentpunkten gelegen?
Strobl: Natürlich hat die Migrations-
und Flüchtlingspolitik eine gewisse Rolle gespielt. Angela Merkel ist deutlich,
hart und kompromisslos mit ihrer Flüchtlingspolitik in die Landtags-Wahlkämpfe
gezogen. Das haben viele CDU-Mitglieder und
CDU-Wähler nicht verstanden. Kommunikation ist ein schwieriges Feld in
der Politik. Insofern - Landtagswahlen stehen immer in einem bundesweiten
Umfeld.
Vor allem zwischen der Auffassungen von Flüchtlingspolitik zwischen CDU und CSU?
Strobl: Die Flüchtlingspolitik der
Bundeskanzlerin war in der CDU-Baden-Württemberg von mir, Guido Wolf und der
gesamten Partei unterstützt.
Und was wurde von der CDU
landespolitisch falsch angepackt?
Strobl: Die unterschiedlichen Ergebnisse
in den drei Bundesländern, in denen am Sonntag gewählt wurden, zeigen nicht nur
bundespolitische sondern auch landesspezifische Entwicklungen. Das landesspezifischen
Punkte werden in den Sondierungen und Verhandlungen mit anderen Parteien
deutlicher herausgestellt werden.
Wo werden denn die Fehler auf
Landesebene gemacht?
Strobl: Es gibt jetzt bei der CDU keine
Schuldzuweisungen. Wir haben eine Verantwortung für das Land. Dieses große und
wirtschaftsstarke Baden-Württemberg braucht eine stabile und verlässliche
Regierung. In dieser schwierigen Zeit gilt der Satz von Erwin Teufel mehr denn
je: Zunächst kommt das Land, dann die Partei und erst ganz zum Schluss die
Person. Davon lassen wir uns heute und in den nächsten Tagen leiten.
Es gibt Abgeordnete, die 80
Prozent der Ursachen für den Erdrutsch in der Flüchtlingspolitik von Angela
Merkel sehen. Berechtigt?
Strobl: Wir sollten jetzt nicht mit
Schuldzuweisungen beginnen. Dieser Schuss könnte nach hinten gehen. Das sage
ich insbesondere in Richtung Stuttgart – und der neue CDU-Landtagsfraktion.
Hat die Kampagne Cem Özdemir vom Kretschmann-Nachfolger der Jungen Union der Partei mehr
geschadet oder eher genutzt?
Strobl: Die Junge Union hat sich stark
und sehr engagiert in den Wahlkampf eingebracht. Wir als CDU sind stolz, eine
so große Jugendorganisation zu haben. Ich bin als junger Mann in der Jungen
Union mit Begeisterung zu Veranstaltungen mit Franz Josef Strauß gefahren – vor
allem in Vilshofen. Da wurden Worte gefallen, die waren so schwer wie ein Felsbrocken.
Dagegen ist der Fall Cem Özdemir eine Feder – vom Gewicht her.
Die CDU will in alle Richtungen
sondieren. Bei welcher Bündniskonstellation sehen Sie die größten
Schnittmengen? Bei Grün-Schwarz oder einer Koalition mit FDP und SPD?
Strobl: Das müssen wir in Ruhe prüfen.
Das kann erst beurteilt werden, wenn Gespräche stattgefunden haben. Mein Rat
war und ist, dass wir gegenüber allen Parteien gesprächsoffen sind, mit
Ausnahme der AfD.
Wie frei ist die CDU denn, wenn
viele Wähler sich Winfried Kretschmann weiter als Ministerpräsident wünschen?
Strobl: Winfried Kretschmann hat für die
Grünen einen Wahlerfolg erzielt. Dazu beglückwünsche ich ihn herzlich. Wahr ist
aber auch, dass es für Grün-Rot keine parlamentarische Mehrheit gibt. Das
heißt, dass die bisherige Regierung abgewählt wurde. Wir werden die Gespräche
mit allen Parteien sehr verantwortlich sehr verantwortungsvoll führen.
Sie sind in der ähnlichen Lage
wie die SPD vor fünf Jahren in Baden-Württemberg: die Grünen haben 30,3 Prozent, sie haben 27,0 Prozent. Nach dieser Rechnung müssten nach fünf Jahren grünschwarzer
Koalition Sie bei der Landtagswahl ungefähr bei 17 Prozent liegen. So rechnet
die schwarze Witwe in Berlin, ihre Bundeskanzlerin.
Strobl: Die Union muss nicht befürchten,
von den Grünen so klein regiert zu werden wie die SPD in Baden-Württemberg. Wir
sind keine Genossen.
Sehen Sie denn ein gemeinsames
Projekt, das eine künftige Zusammenarbeit der CDU mit den Grünen tragen könnte?
Strobl: Ich erinnere mich, dass ich nach
der vorletzten Landtagswahl schon einmal mit Winfried Kretschmann und anderen
Grünen Sondierungsgespräche geführt habe. Mir sind diese Gespräche durchaus in
guter Erinnerung. Viele von uns in der CDU unterstützten die Windkraftanlagen
der grünen Politik im Lande entschieden.
Und sind auch Anteilseigner.
Schwarz-Rot-Gold. Wäre nicht ein
Bündnis von CDU, SPD und FDP eine Koalition der Wahlverlierer?
Strobl: Beim letzten Mal war die CDU die
stärkste Partei und die Grünen lagen 15 Prozentpunkte dahinter. Gleichwohl
haben die Grünen gemeinsam mit der noch schwächeren SPD den Ministerpräsident
gewählt. Eine Koalition von CDU, SPD und FDP ist eine demokratische Option.
Aber Sie sind entschiedener
Befürworter der grün-schwarzen Koalition. Haben Sie in der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion gesagt.
Strobl: Ja, ich befürworte den Eintritt
der CDU in die Koalition mit den Grünen. Wenn das bundespolitische Umfeld
stimmt, kann die baden-württembergische CDU sich als Junior-Partner in diesem Bündnis
erneuern.
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