Anfang des 20.
Jahrhundert stellten Christen in der arabischen Welt etwa rund 20
Prozent der Bevölkerung. Heute sind nur noch rund fünf Prozent der
arabischen Welt christlich. Viele verlassen wegen Krieg und Verfolgung
die Region. Die Dokumentation gibt Einblick in das Leben der
christlichen Minderheiten im Irak, in der Türkei, in Ägypten, im Libanon
und in Syrien.
Durch das Chaos im Nahen Osten drohen die Christen aus dieser
Region, in der ihre historischen Wurzeln liegen, zu verschwinden. Und
der Westen, dessen Kultur sie mitbegründeten, schaut weg. Ist die
arabische Welt ohne christliche Gemeinschaften vorstellbar? Sind nicht
gerade auch sie ein Bindeglied zwischen der islamisch-orientalischen und
christlich-westlichen Welt? Wie leben beziehungsweise überleben
christliche Minderheiten heute in Ägypten, der Türkei, im Irak, Libanon
und Syrien?
Im Irak werden christliche Minderheiten derzeit von den
Terrormilizen des sogenannten Islamischen Staates (IS) vertrieben,
während sie aus der Türkei bereits im Laufe des 20. Jahrhunderts fast
völlig verschwunden sind. Ägypten hat zwar die größte christliche
Gemeinschaft der arabischen Welt, die Kopten erfahren jedoch nach wie
vor keine echte Anerkennung. Der Libanon ist das einzige Land, in dem
Christen lange in der Mehrheit waren, und auch noch heute noch müssen
sowohl das Staatsoberhaupt als auch der Oberbefehlshaber der Armee
Christen sein. Aus Syrien fliehen Christen in großer Zahl, da sie
zwischen den Fronten zerrieben werden in einem Krieg, der nicht zuletzt
den Konflikt zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem
schiitischen Iran widerspiegelt.
Die Dokumentation (ARTE) schildert die
dramatische Situation der Orientchristen, zeigt aber auch ihren
Widerstandswillen und die Strategien, die es ihnen ermöglicht haben, in
verschiedenen politischen Kontexten ihre jahrhundertealte Identität zu
wahren und zum historischen Gedächtnis beizutragen. Ironischerweise
gehören die Orientchristen heute zu den größten Kennern des Islams.
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