Es ist schon bemerkenswert, wenn Journalisten
ihren kritischen Verstand nicht nur bei einer Partei abgeben – sondern
gleich bei vielen.
Da jubelt heute ein Provinz-Schreiberling und
freut sich, „wie schnell aus erbitterten Gegnern neue Partner wurden“.
Gemeint ist die neue grünschwarze Koalition in Stuttgart.
Lügenpresse? Aber sicher. Denn selbst dieser Provinzler weiß ganz genau,
dass der CDU-Ministerpräsident Teufel einst bei einem Grünen-Parteitag
eine Rede gehalten. Und dass sein
Nachfolger Oettinger am liebsten statt einer schwarzgelben eine
schwarzgrüne Koalition geschlossen hätte.
Wenn ein Journalist so
Tatsachen verschweigt, dann ist schlicht „Lügenpresse“ oder auch
ekelhafte „Propaganda-Presse“. Manche Journalisten stecken in manchem
Partei-Arsch so tief drin, dass nur noch ihre Füße herausragen - und sie
fühlen sich dabei sehr wohl.
Aber es kommt noch schlimmer - mit den
Jubelarien im warmen Darm: „Hätte sich die FDP der Ampelkoalition mit
Grüne und SPD nicht verweigert, dann wäre die Union jetzt
Oppositionspartei. Und hätte die SPD dem Werben von CDU und FDP
nachgegeben, dann würde am Donnerstag Wahlverlierer Guido Wolf zum
Ministerpräsidenten gewählt worden.“
Die anderen Wahlverlierer am
13. März 2016 wurden nicht erwähnt, sondern hochgejubelt – denn in den
Augen des Provinz-Journalisten hatten die Sozialdemokraten „damit den
Willen der Wähler respektiert“.
Soso. Aha! Mit 30 Prozent wird man
vom Volk zum Sieger gewählt. Das kennt ich nur von Diktaturen. Für mich
sind 30 Prozent keine Mehrheit - für Provinz-Schreiberlinge schon, wenn
sie beim Schreiben ihre grünschwarzen Brillen aufgesetzt haben.
Der
journalistische Provinz-Segen für die Sozis lautet: „Das zeugt von
Charakter und verdient Respekt – auch das gibt es noch in der Politik.“
So sprechen normalerweise Mafiapaten - in schlechten Filmen.
Und wie sagen FDP und SPD zu grünschwarzen Koalition in Stuttgart?
FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke über Grünschwarz: „Die CDU hat
praktisch nichts erreicht. Das einzige, was sie jetzt als Trophäe vor
sich her trägt, sind 1500 Polizeistellen.“
SPD-Vorsitzender Nils Schmidt befürchtet: „Mit Grün-Schwarz droht die Koalition der Spießbürger.“
Ist der Charakter und Respekt der Parteien, denen der
Provinz-Schreiberling hochjubelt? Oder hat er seinen Kommentar auf dem
WC geschrieben?
* Die Heilbronner Stimme hat doch zwei gute
Kommentatoren: Peter Reinhardt und Karsten Kammholz. Die sind faktensicher, können logisch
argumentieren, in einem guten Deutsch schreiben und ihre Artikel in
einem guten Stil formulieren. Was will man mehr?
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