Wieso müssen mir an dieser Stelle Joseph Roths grandiosen Romane
(„Radetzkymarsch“ und „Kapuzinergruft“) über den Zusammenbruch des alten
Europa am Vorabend des Ersten Weltkriegs einfallen? Weil sie den Tanz
der Eliten am Abgrund beschreiben.
Die Stützen des ewigen Kaisers Franz
Joseph (er starb vor 100 Jahren), Adel, Militär, Bürokratie, Journaille,
waren nicht „scharfhörig genug, das große Räderwerk der verborgenen,
großen Mühlen zu vernehmen, die schon
den großen Krieg zu mahlen begannen“. Aber die kleinen Leute an den
Rändern des Imperiums, die Fiaker und Schankwirte in Galizien, die
spürten es, das Räderwerk.
Wieder bricht eine alte Welt zusammen.
Dazu bedarf es ja keines Weltkriegs. Die gewöhnlichen Leute ahnen mehr
als sie wissen – und deshalb misstrauen sie den alten Eliten. Wählen gar
„rechtspopulistisch“. Wer diese Wähler mit Wiener Schnitzel in
Hakenkreuzform veralbert, ist selbst der größere Idiot. Er hat nichts
kapiert.
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