Am 3. Oktober, dem Tag der deutschen , tut Frankfurt am Main das, was die meisten deutschen Städte tun: Die
Stadtverwaltung lädt zu einer Feierstunde mit Streichmusik und Festredner.
Das
ist in „Bankfurt“ seit 1990 so. Doch in diesem Jahr hat die Feier heftigen
politischen Streit ausgelöst, genauer: die Wahl des Festredners Daniel
Cohn-Bendit (71). Die CDU, die seit kurzem zusammen mit SPD und Grünen den
Magistrat bildet, lehnt Cohn-Bendit als Einheitsredner strikt ab – wegen seiner
„pädophilen Vergangenheit“.
Prominente Frankfurter CDU-Politiker wollen der
Feierstunde demonstrativ fernbleiben. Kritik kommt auch von der FDP. Zwei
rechtspopulistische Fraktionen im Stadtparlament haben zum Boykott aufgerufen.
(…)
Was immer Cohn-Bendit auch satt haben
mag: Die Diskussion um seine Person und seine Eignung als Festredner zum Tag
der deutschen Einheit dürfte nicht verstummen. Dabei gäbe es gewichtigere
Gründe, die den Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) an seiner
Rednerwahl zweifeln lassen sollten als Cohn-Bendits wirre Äußerungen zum Thema
Sex mit Kindern.
Denn 1990, im Jahr der Einheit, stand der Grüne wie so viele
in seiner Partei der Einheit eher ablehnend gegenüber. Ihre angebliche Sorge:
Im wiedervereinten Land könnte der Nationalismus eine neue Blüte erleben.
Deshalb plakatierten die Grünen im Bundestagswahlkampf 1990: „Alle reden von
Deutschland. Wir reden vom Wetter.“ Noch deutlicher konnte man sein
Desinteresse an dem Ende des SED- und Stasi-Staates kaum äußern. (TICHY)
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