Mittwoch, 14. September 2016

14.09.2016 - Vergangenheit

Am 3. Oktober, dem Tag der deutschen , tut Frankfurt am Main das, was die meisten deutschen Städte tun: Die Stadtverwaltung lädt zu einer Feierstunde mit Streichmusik und Festredner.

Das ist in „Bankfurt“ seit 1990 so. Doch in diesem Jahr hat die Feier heftigen politischen Streit ausgelöst, genauer: die Wahl des Festredners Daniel Cohn-Bendit (71). Die CDU, die seit kurzem zusammen mit SPD und Grünen den Magistrat bildet, lehnt Cohn-Bendit als Einheitsredner strikt ab – wegen seiner „pädophilen Vergangenheit“.

Prominente Frankfurter CDU-Politiker wollen der Feierstunde demonstrativ fernbleiben. Kritik kommt auch von der FDP. Zwei rechtspopulistische Fraktionen im Stadtparlament haben zum Boykott aufgerufen.

(…)

Was immer Cohn-Bendit auch satt haben mag: Die Diskussion um seine Person und seine Eignung als Festredner zum Tag der deutschen Einheit dürfte nicht verstummen. Dabei gäbe es gewichtigere Gründe, die den Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) an seiner Rednerwahl zweifeln lassen sollten als Cohn-Bendits wirre Äußerungen zum Thema Sex mit Kindern. 

Denn 1990, im Jahr der Einheit, stand der Grüne wie so viele in seiner Partei der Einheit eher ablehnend gegenüber. Ihre angebliche Sorge: Im wiedervereinten Land könnte der Nationalismus eine neue Blüte erleben. Deshalb plakatierten die Grünen im Bundestagswahlkampf 1990: „Alle reden von Deutschland. Wir reden vom Wetter.“ Noch deutlicher konnte man sein Desinteresse an dem Ende des SED- und Stasi-Staates kaum äußern. (TICHY)

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