Joseph
Roth (jüdischer Katholik, Östereicher und Schriftsteller, Journalist) - 1925
über den "Sozialistenkongreß" in Marseille:
"Morgen beginnt hier der Sozialistenkongreß ... Mit
Schillerkragen! Mit Aktentaschen! Mit Regenschirmen! Mit dicken Frauen auf
Plattfüßen! Sie gehn ohne Hüte! Sie schwitzen. Sie stinken. Sie trinken Bier.
Sie reden lauter als die vielen Orientalen ... Alle Sozialdemokraten sehen
deutsch aus. Sogar die litauischen. Denn in Deutschland ist der Typus zu Hause:
redlich, fleißig, biertrinkend, die Ordnung der Welt verbessernd. Ein Demokrat
und sozial. ,Gerecht!' Hoffnung auf Evolution. Alles deutsch. Der Sehnsucht der
deutschen Frau, auf Schuhen ohne Absätze durch ein Leben voller Tätigkeit zu
marschieren, kommt der Sozialismus entgegen ... Fortwährend dampfend vor
Tätigkeit, Geschwätz, Fortsetzung der Konferenzen am Abend im Café durch
Gruppenbildung und lange Tische, Schrecken der Kellner..."
In
seinen Briefe erklärt er seine Position als kulturkonservativen Individualisten
und Ästheten, der über die "Amerikanisierung und Bolschewisierung
Europas" klagt und es später "grauenhaft" fand, durch die Nazis
"nach links abgedrängt zu werden".
Und
an Stefan Zweig schrieb Roth: Gegen die Nazis, diese "Luther-Fürze"
und "stinkenden Hyänen", sei "selbst mein alter Feind Tucholsky
mein Waffenkamerad".
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