Montag, 27. Juni 2016

27.06.2016 - Götz George



Götz George ... seit ich denken kann - hat mich Götz George mit seiner Schauspielkunst begleitet ... ein ganz, ganz großer ... ein großer Könner, ein Begnadeter, ein grandioser Handwerker vor dem Herrn - der das Sein ihrer Figuren Schicht für Schicht aufdeckte, mit seiner schönen, zarten und brutalen Wahrheit - zum Lachen und Weinen und Erschrecken und Erkennen - Götz war so genial wie sein Vater Heinrich - und so völlig anders ... „Wie nah sind uns manche, die tot sind, und wie tot sind uns manche, die leben.“ ... Vielen herzlichen Dank, lieber Götz.

Stern-Interview 2013 - Götz George über seiner Vater Heinrich
Stern: Einmal begegnet Heinrich George seinem Sohn Götz am Tor des russischen Lagers Hohenschönhausen. Eine Szene wie im Spiegelkabinett: Sie als Ihr Vater nehmen sich selbst, dargestellt von einem kleinen Jungen, in den Arm.
Götz George: Ich habe keinerlei Erinnerung an die wirkliche Begegnung. Da war ich erst sieben Jahre alt. Ich habe die so schöne Beschreibung meiner Mutter nachgespielt, die sie in Ihrer Biografie verfasst hat.
Stern: Ihr Vater ist im Lager gestorben. Sie haben später gesagt: "Ich war erst einmal erleichtert, als es hieß, er kommt nicht mehr zurück".
Götz G.: Ich war immer einem Druck ausgesetzt, und der war nun plötzlich weg. Ich wurde nach der alten Zucht und Ordnung immer vermöbelt, wenn ich etwas Falsches gemacht hatte. Da bekam ich schon mal die Striemen auf den Hintern. Die Trauer setzte bei mir ein halbes Jahr später ein. Erst da habe ich gemerkt, dass er für immer weg ist. Das kam langsam. Mit elf oder zwölf habe ich dann zum ersten Mal seine Filme gesehen und gedacht: Was habe ich nur für einen Vater gehabt!
Stern: Heinrich George galt als der größte Schauspieler seiner Generation. Er hätte überall Karriere machen können. Trotzdem ist er nach der Machtergreifung Hitlers in Deutschland geblieben. Warum?
Götz G.: Mein Vater war ein nationaler Mensch, ein Pommer, erdig, ein Mann, der sein Land liebte. Er war in Hollywood und wurde gefeiert wie ein Halbgott und schrieb wehklagende Briefe, in denen steht: "Das ist ein Land ohne Kultur, bitte lasst mich nach Hause." Er hat gespürt, das hat nichts damit zu tun, was er sich mir vorgenommen hatte zu sein. Er wollte ein – im Wortsinne – aufrechter Deutscher sein.
Stern: Im Film sagen Sie: "Vater war besser, er war besessener". Ist es nur ein Glück, derart vom Schauspiel besessen zu sein?
Götz G.: Wenn du so besessen bist, nimmst du alles in Kauf. George wollte immer spielen, sogar im Lager, überall. Er hat morgens Proben gehabt am Theater, ist mittags abgeholt worden zu Filmaufnahmen, abends ist auf die Bühne gegangen. Nicht vorstellbar für mich! Ich bin tot nach einem Drehtag.

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