Dienstag, 9. August 2016

09.08.2016 - Kino-Brief

Ich grüße aus dem „Kloster Pfühl“ in Heilbronn – so nenne ich meine Wohnung.

Vielen Dank für das schöne Smartphone-Gespräch im „Wald“ –  während meines Laufens. Ich kann halt nur über meinen kleinen Kulturkonsum reden … oder über mein Beten im Wald, meine täglichen Gottesdienste, etc.

Du hast an meinen Wort-Kaskaden gemerkt, ich bin völlig von amerikanischer Kultur verseucht und durchdrungen. Von Disney bis über „Queer As Folk“.

Ich liebe die USA - und die Menschen dort. Auch wenn ich nur kurze Zeit in Tennessee, Utah, Wyoming und Kalifornien war.

Aber ich habe das „wirkliche“  Amerika kennengelernt, die Provinz – die Weite, die Freundlichkeit, die Härte, die Religiosität und die Liberalität.

Sicherlich. Die großen Städte sind auch die Vereinigten Staaten – aber völlig anders. Ganz anders. Das habe ich in San Franzisco kennengelernt.

Der Grund für die Filme, die ausgesucht habe:

Seit Jahren liebe ich den genialen und klugen Ang Lee, einen taiwanisch-chinesisch-amerikanischen Mensch - und ein grandioser Film-Regisseur.

Ich habe alle Filme von ihm gesehen.

Ang Lees neuester Film heißt  LIFE OF PI (deutsch: Schiffbruch mit Tiger) -  eine wunderbare und philosophische Geschichte über das Reisen, über Gott und seine Welt.

Ich bin heute noch hin und weg, wenn ich an mein grandioses Erlebnis mit diesem Film denke.

Und der andere Ange-Lee-Film ist BROKEBACK MOUTAIN,  ein Meisterwerk, eine wirkliche Tragödie unserer Zeit – sehr gekonnt nach der aristotelischen Dramentheorie gestrickt. Ganz traditionell verfilmt.

Wer die Götter (Normen in unserer Gesellschaft, die Regeln, die moralischen Gesetze) erzürnt, der wird mit einem grausamen Tode bestraft - oder in eine tiefe Verwirrung und seelische Not gestürzt.

In diesem Film ist die amerikanische Natur wunderschön fotografiert, nahezu romantisch  – und wird aber auch grausamst geschildert. 

Die Liebe in diesem Film wird  von Ang Lee als Naturkatastrophe geschildert, aus dem für viele Menschen kein Entrinnen gibt. Das Resultat für diese Liebe ist der Tod oder tiefste Not.

Ich habe alle Erzählungen von Annie Proulx  (Pulitzer-Preisträgerin) gelesen. Ich habe noch nie eine Erzählung (wie ihre BROKEBACK MOUNTAIN) so genau (und so literarisch gekonnt) verfilmt gesehen wie in diesem Film.

Ein völlig anderer Film ist  DRIVE , meine dritte Kultur-Gabe.

Drive ist ein US-amerikanischer Thriller des dänischen Filmemachers Nicolas Winding Refn aus dem Jahr 2011, der mit der Literaturverfilmung des gleichnamigen Romans von James Sallis sein Debüt als Hollywoodregisseur gab.

Ein Film – ganz in der Tradition von Ingmar Bergman gedreht. Ein Film, der wirklich unter die Haut geht. Zumindest bei mir.

Ich liebe ansonsten keine Thriller. Aber dieser Film hat mich vom ersten Augenblick fasziniert, gefesselt und erschüttert.

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