"Luthers Abfall von der Papstkirche wurde von Beginn an von Fürsten
gesponsort, die ihre Steuern lieber selbst behalten wollten. Danach
entstand die Gewissenspolizei. Bei Millionen von Europäern kam die
Reformation nicht als Gewissensbefreiung an, sondern als Kreuzzug von
Glaubenskriegern.
Sonderbar also, dass wir die Renaissance mit
humanistischer Toleranz und Gelehrsamkeit assoziieren, in Wahrheit aber
die innerchristliche Intoleranz an allen Fronten triumphierte. Muchembled
macht den spanischen Monarchen Philipp II. und die päpstliche
Gegenreformation für das Übermaß der Gräuel verantwortlich. Über einen
Korridor von Genua bis Belgien verbreiteten Jesuiten in Schulen und
Universitäten ihre erbarmungslose Lehre der siegreichen Papstkirche –
und die protestantischen Widersacher zogen gleich.
Um 1600 waren es
jesuitische Inquisitoren wie Martin Anton Delrio oder Juan Maldonado,
die ihre Lektion in Renaissance am teuflischsten gelernt hatten. Als
ausgewiesene Humanisten, Meister der antiken Sprachen und der biblischen
Philologie ließen sie in den Niederlanden und in Lothringen die
Scheiterhaufen vermeintlicher Ketzer lodern. Die meisten Opfer waren
ungebildete Frauen."
WELT
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