Montag, 8. August 2016

07.08.2018 - Opfer

"Luthers Abfall von der Papstkirche wurde von Beginn an von Fürsten gesponsort, die ihre Steuern lieber selbst behalten wollten. Danach entstand die Gewissenspolizei. Bei Millionen von Europäern kam die Reformation nicht als Gewissensbefreiung an, sondern als Kreuzzug von Glaubenskriegern.
 

Sonderbar also, dass wir die Renaissance mit humanistischer Toleranz und Gelehrsamkeit assoziieren, in Wahrheit aber die innerchristliche Intoleranz an allen Fronten triumphierte. Muchembled macht den spanischen Monarchen Philipp II. und die päpstliche Gegenreformation für das Übermaß der Gräuel verantwortlich. Über einen Korridor von Genua bis Belgien verbreiteten Jesuiten in Schulen und Universitäten ihre erbarmungslose Lehre der siegreichen Papstkirche – und die protestantischen Widersacher zogen gleich.
 

Um 1600 waren es jesuitische Inquisitoren wie Martin Anton Delrio oder Juan Maldonado, die ihre Lektion in Renaissance am teuflischsten gelernt hatten. Als ausgewiesene Humanisten, Meister der antiken Sprachen und der biblischen Philologie ließen sie in den Niederlanden und in Lothringen die Scheiterhaufen vermeintlicher Ketzer lodern. Die meisten Opfer waren ungebildete Frauen."
WELT

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